Warum braucht Haiterbach ein Stadtentwicklungskonzept?
Städte und Gemeinden stehen vor vielfältigen Veränderungen. Dazu gehören unter anderem die demografische Entwicklung, veränderte Wohnbedürfnisse, der Umgang mit vorhandenen Flächen, Klimaschutz und Klimaanpassung, Mobilität sowie die Sicherung von Infrastruktur und Nahversorgung.
Auch Haiterbach steht vor diesen Herausforderungen.
Deshalb soll mit „Haiterbach 2040“ frühzeitig untersucht werden:
Wo liegen die Stärken unserer Stadt und unserer Ortsteile?
Welche Flächen und Gebäude bieten Entwicklungspotenziale?
Wie können vorhandene Ortsstrukturen besser genutzt und weiterentwickelt werden?
Wie können attraktive Wohnangebote für unterschiedliche Generationen geschaffen werden?
Wie lassen sich Grün- und Freiräume sichern und qualitätsvoll weiterentwickeln?
Wie können Mobilität und Erreichbarkeit verbessert werden?
Wie können Ortsmitten lebendig und attraktiv bleiben?
Welche Angebote und Einrichtungen braucht Haiterbach auch in Zukunft?
Welche Maßnahmen sind besonders wichtig und können Schritt für Schritt umgesetzt werden?
Das Stadtentwicklungskonzept soll dabei nicht jede zukünftige Entscheidung vorwegnehmen. Vielmehr schafft es eine gemeinsame strategische Grundlage, an der sich die weitere Entwicklung orientieren kann.
Was bedeutet „dreifache Innenentwicklung“?
Das Land Baden-Württemberg verfolgt mit dem Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ einen Ansatz, bei dem die Entwicklung innerhalb bestehender Siedlungsstrukturen besonders berücksichtigt wird.
Dabei geht es um die sogenannte dreifache Innenentwicklung.
Sie verbindet drei Bereiche:
🏘️ Bauliche Entwicklung
Vorhandene Flächen im Ort sollen möglichst sinnvoll und qualitätsvoll genutzt werden. Dazu können beispielsweise Baulücken, Leerstände, Brachflächen oder Nachverdichtungspotenziale gehören.
Ziel ist es, vorhandene Strukturen weiterzuentwickeln und zusätzlichen Flächenverbrauch im Außenbereich möglichst zu reduzieren.
🌳 Grün- und Freiräume
Innenentwicklung bedeutet nicht, jede freie Fläche zu bebauen.
Ebenso wichtig sind attraktive Grün- und Freiflächen, Aufenthaltsbereiche, Freiräume und eine qualitätsvolle Gestaltung des Wohn- und Lebensumfelds.
🚶 Mobilität und kurze Wege
Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Freizeit und soziale Angebote sollen möglichst gut erreichbar sein.
Deshalb werden auch nachhaltige Mobilitätsangebote und kurze Wege mitgedacht.
Die drei Bereiche – bauliche Entwicklung, Grün- und Freiräume sowie Mobilität – sollen nicht isoliert betrachtet werden, sondern gemeinsam zu einer hohen Lebensqualität beitragen.
Vom Förderantrag zum Stadtentwicklungskonzept
Die Grundlage für „Haiterbach 2040“ bildet das Landesprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“.
Die Stadt Haiterbach stellte im Mai 2025 einen Förderantrag beim Land Baden-Württemberg. Im November 2025 erhielt die Stadt die Förderzusage für das Projekt „Haiterbach 2040 – Generationenübergreifende dreifache Innenentwicklung gestalten“.
Für das Projekt wurde eine Förderung in Höhe von 33.174 Euro bewilligt. Haiterbach gehört damit zu den 23 Maßnahmen, die das Land Baden-Württemberg im Jahr 2025 im Rahmen des Programms förderte. BBaden-Württemberg.de
Das Förderprogramm unterstützt insbesondere nicht-investive Maßnahmen wie innovative Konzepte und städtebauliche Planungen, Information und Bürgerbeteiligung sowie Maßnahmen zur Aktivierung innerörtlicher Flächen. BBaden-Württemberg.de
Der Bewilligungszeitraum des Haiterbacher Projekts läuft bis zum 31. Dezember 2026.
Der Prozess
Mit der Erstellung des Stadtentwicklungskonzepts wurde die Reschl Stadtentwicklung GmbH & Co. KG aus Stuttgart beauftragt. Reschl Stadtentwicklung begleitet Kommunen unter anderem bei Stadtplanung, Wohnraum- und Quartiersentwicklung, Gewerbeentwicklung sowie Sanierung und Kommunalberatung.
Der Prozess „Haiterbach 2040“ ist im Frühjahr 2026 gestartet.
Zu den ersten Arbeitsschritten gehörten:
1. Bestandsuntersuchung
Die vorhandenen städtebaulichen Strukturen und Flächenpotenziale werden untersucht. Dabei geht es unter anderem darum, vorhandene Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden Siedlungsstruktur zu erkennen.
2. Bevölkerungsvorausrechnung
Für Haiterbach wurde eine stadtspezifische Bevölkerungsvorausrechnung erstellt. Sie bildet eine wichtige Grundlage, um zukünftige Entwicklungen und Bedarfe besser einschätzen zu können.
3. Klausurtagung des Gemeinderats
Im April 2026 setzte sich der Gemeinderat im Rahmen einer internen Klausurtagung mit der zukünftigen Entwicklung Haiterbachs auseinander.
4. Beteiligung der Bürgerschaft
Ein zentraler Bestandteil des Prozesses ist die Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner.
Bei der Bürgerbeteiligung im September 2026 konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen, Anregungen und Wünsche für die Entwicklung Haiterbachs und der einzelnen Stadtteile einbringen. Die Stadt hatte hierzu verschiedene Themenstationen eingerichtet.
Die Ergebnisse der Bestandsanalyse, der Bevölkerungsvorausrechnung und der Bürgerbeteiligung werden im weiteren Prozess zusammengeführt.
Auf dieser Grundlage wird das Stadtentwicklungskonzept „Haiterbach 2040“ weiter ausgearbeitet.
Im nächsten Schritt geht es darum, aus den zahlreichen Erkenntnissen und Ideen konkrete Ziele, Handlungsfelder und mögliche Maßnahmen für die Stadt und ihre Stadtteile abzuleiten.
Das Konzept soll im Dezember dem Gemeinderat zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden.
Was bringt das Stadtentwicklungskonzept?
Das Stadtentwicklungskonzept soll eine gemeinsame Orientierung für die nächsten Jahre bieten.
Es soll insbesondere:
die langfristigen Entwicklungsziele Haiterbachs formulieren,
Stärken und Herausforderungen der Stadt und ihrer Stadtteile aufzeigen,
vorhandene Flächen- und Entwicklungspotenziale sichtbar machen,
unterschiedliche Themenbereiche miteinander verbinden,
konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen herausarbeiten,
die Grundlage für zukünftige kommunale Entscheidungen bilden und
mögliche weitere Förder- und Umsetzungsmöglichkeiten aufzeigen.
Das Konzept ist damit kein Bauplan für Haiterbach bis zum Jahr 2040.
Vielmehr entsteht ein strategischer Rahmen, der aufzeigt, wohin sich Haiterbach entwickeln möchte und welche Schritte dafür sinnvoll sein können.
Bürgerbeteiligung 23. September 2026
Zu dem im Frühjahr 2026 begonnenen Prozess für ein Stadtentwicklungskonzept Haiterbach 2040 fand vergangene Woche in der Festhalle eine Bürgerbeteiligung statt. Die Stadtverwaltung Haiterbach und das Büro Reschl Stadtentwicklung aus Haiterbach freuten sich über eine tolle Resonanz: Rund 100 Haiterbacherinnen und Haiterbacher waren der Einladung gefolgt. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeisterin Kerstin Brenner präsentierte Philipp König Zahlen zur demografischen Entwicklung von Haiterbach. Während die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner seit Jahren stagniert, gab es im Bereich der Wohnungsentwicklung einen Zuwachs. Dies lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger zu zweit oder nur alleine in größeren Gebäuden leben. König gab mit verschiedenen Szenarien einen Ausblick auf die künftige Bevölkerungsentwicklung.
Im zweiten Teil der Veranstaltung waren die Gäste gefragt. Sie konnten sich in der Festhalle an Stellwänden zu Themen wie Wohnen, Gewerbe, Nahversorgung, Mobilität, Soziales oder Attraktivierung der Ortsmitten informieren, sich untereinander dazu austauschen und eigene Ideen, Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft von Haiterbach festhalten. Es entstanden rege Gespräche sowie lebhafte Diskussionen. Nach einer kurzen Zusammenfassung durch das Büro Reschl. Dankte Bürgermeisterin Kerstin Brenner allen Haiterbacherinnen und Haiterbacher für das engagierte Mitmachen und die zahlreichen Ideen. Die Anregungen seitens der Bürgerschaft fließen in das Stadtentwicklungskonzept Haiterbach 2040 ein, welches der Gemeinderat in seiner Dezember-Sitzung beschließen wird. Die mögliche Umsetzung der Ideen und Vorschläge im Anschluss hängt von verschiedenen Faktoren wie finanzielle Mittel, Zugriff auf Flächen oder rechtliche Rahmenbedingungen ab.



